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Domberger | Heike Rudloff

Domberger

Ein Blick in Wikipedia und man hat sie gefunden: die Dombergers, Urgesteine des Kunst-Original-Siebdrucks in Deutschland. Sie führten das neue Medium als Pioniere ein und beherrschten es bald mit technischer Präzision – und so feinfühlig, dass sich internationale Künstler und Künstlerinnen in Scharen die Tür der Stuttgarter Werkstatt in die Hand gaben. Viele bekannte Siebdruck-Werke entstanden dort in enger, kreativer Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Druckern.

Die Liste der Künstler und Künstlerinnen, die mit Domberger gearbeitet haben, liest sich wie ein Who’ s Who der internationalen Kunstwelt, etwa 200 Namen, viele davon große Stars der Kunstwelt:

Von Roy Lichtenstein, Cy Twombly, Keith Haring und Robert Indiana bis Pierre Soulages, einem der…

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bekanntesten französischen Künstler. Von Antoni Tàpies, dem berühmten Spanier, Tina Tahir, Andy Warhol, Imi Knoebel, Christo und Jeanne Claude, Sigmar Polke, Georg Baselitz, Heinz Mack, Günter Uecker, Max Bill und vielen, vielen anderen – bis hin zu Willi Baumeister, enger Freund von „Poldi“ Domberger, dem Gründer, ebenso wie später Richard Estes.

Die Künstler-Original-Siebdrucke – in der Kunstwelt Serigraphien genannt – entstanden in den ersten Jahrzehnten in Handarbeit. Künstler wie Robert Indiana lieferten fertige Entwürfe, die „brauchten wir nur noch umzusetzen“, erzählt Michael Domberger, in zweiter Generation Chef des Familienunternehmens, heute selbst in den Siebzigern. Bei anderen Künstlern dienten Pastelle, manchmal sogar einfache Bleistiftskizzen als Vorlage, bis hin zu einem „fast grotesken Zettel“, den Max Bill den Druckern vorlegte. Damit begann dann in der Vor-Computerzeit die Arbeit: „Die Vorlagen des Drucks wurden von Hand geschnitten, meist belichtete Filmstücke.“

Der US-Künstler Richard Estes zeichnete sie anfangs sogar selbst und arbeite noch abends im Hotelzimmer weiter an den Vorlagen“, erinnert sich Michael Domberger. Estes druckte mehrere große Kunst-Mappen mit Domberger. “Die Arbeit enthielt bei einem Werk 96 Farben, bei einem anderen sogar 212 Farben! Das bedeutete für uns für jede Farbe die entsprechenden Vorlagen herstellen, dann folgte der nächste Druckgang.“ Estes arbeitete ein Jahr lang bei jeder dieser Mappen in der Werkstatt mit, zusammen mit den Spezialisten von Domberger.

Kunst-Mappen, Sammlungen von Werken eines oder mehrerer Künstlern – diese Serigraphien herzustellen war immens aufwändig, erklärt Michael Domberger. Die Werke wurden in feinster Genauigkeit gestaltet, bis sie in den Augen der Künstler und den nicht minder ehrgeizigen Meistern an den Druckmaschinen von höchster Präzision waren.

Michael Domberger mit Arbeiten von Victor Vasareli, 2018

Michael Domberger mit Arbeiten von Victor Vasareli, 2018

Wer genau hinschaut, so führt er an einem Bild von Victor Vasarely vor, findet in den Serigraphien der frühen Jahrzehnte dennoch manchmal kleinste Fehler; Domberger weist auf winzige Überlappungen der Farben: „Das ist das Handwerkliche – auch der Zufall – durch den man sehen kann, dass daran mit der Hand gearbeitet wurde – solche Details können heute den Wert der Arbeiten steigern“. Bei modernen digitalen Druckmaschinen unserer Tage werden dagegen alle Farben auf einmal gedruckt, in einem einzigen Arbeitsgang der Maschine. Die kleinen Fehler, die bei der ursprünglichen Siebdrucktechnik entstanden, gebe es bei heutiger Digitaldrucktechnik nicht mehr, so Domberger. „Die heutigen digitalen Drucke sind von feinster Präzision – oft wunderschön! Aber es fehlt eben das mit der Hand des Künstlers gemachte und das Handwerkliche daran. Wir arbeiteten damals oft monatelang an so etwas!“ Rückblickend erkennt er heute, „dass auch bei uns ein immer kreativeres Denken entstand“.

Die Druckerei Domberger hat international einen hervorragenden Ruf in der Branche; was die lange Liste der Künstler, die kamen, um mit ihnen zusammen zu arbeiten, bestätigt. In Deutschland gebe es auch heute nur sehr wenige Siebdruckereien, die hochwertige Serigraphien drucken können, so Domberger…lacht verschmitzt und schiebt nach: „Einige der anderen lernten das bei uns.“

Was wird die Zukunft bringen? Wie lange wird es die Serigraphien noch geben? Wird es die hochkarätigen Spezialisten als „dritte Hand“ weiter brauchen?

Michael Domberger weiß aus der jahrzehntelangen Zusammenarbeit gerade auch mit jungen Künstlern und Künstlerinnen, „dass sie immer die modernsten Techniken verwenden“, viele jetzt das technische Equipment besitzen… „was zu ihnen passt, entscheiden sie selbst.“

Sein Fazit „damals in seiner Hoch-Zeit sehr dominant“ – habe der Siebdruck nun seinen Platz gefunden, neben anderen klassischen Techniken wie etwa Lithographien und Radierungen.

Gegründet wurde das Unternehmen von Luitpold „Poldi“ Domberger, der 1949 die ersten Serigraphien mit dem Künstler Willi Baumeister herausbrachte. Mit dem neuen Medium Siebdruck genoss Poldi Domberger, selbst leidenschaftlicher Maler, bald einen hervorragenden Ruf unter anderen Künstlern, die aus dem In- und Ausland anreisten, um mit ihm zu drucken. „Serigraphien mit Künstlern zu drucken war immer nur ein Teil unserer Arbeit – aber der brachte uns besonders viel Spaß!“ So Sohn Michael Domberger rückblickend, der in den frühen Jahren von seinem Vater ausgebildet wurde. Noch im dritten Lehrjahr ging er als Auszubildender in eine Siebdruckwerkstatt in Kopenhagen, kurz auch in die Schweiz und England. Nach Ende der Ausbildung 1960 wurde er dann zu Hallmark Cards in Kansas City, USA, geholt, um dort im Siebdruck zu arbeiten: obwohl die Siebdrucktechnik ursprünglich aus USA kam, holte sich der amerikanische Glückwunschkarten-Konzern, der viel mit Siebdruck arbeitete, mit ihm den Erfahrungsschatz der Dombergers ins Haus.  Luitpold Domberger, der Senior des Hauses, galt inzwischen international als anerkannter Spezialist, der seinen Sohn selbst ausgebildet hatte.  „Erst Anfang 20 und schon „Technical Advisor“, wurde ich von meinem Chef erst mal drei Jahre älter gemacht“ grinst Michael Domberger. Weil er den Siebdruck-Prozess des Unternehmens gleich zu Anfang kostensparend überarbeitete, hatte er bald einen guten Stand – eine aufregende Zeit: „natürlich auch, weil es dort die Kansas City Art Institute gab, „wo die später berühmtesten Künstler der Moderne lehrten oder lernten!“

Zurück in Deutschland studierte Domberger in Berlin, stieg dann in das elterliche Unternehmen ein und übernahm 1968 die Druckerei, Jahre später auch das Unternehmen Edition Domberger, das Serigraphien der Künstler verlegt und verkauft. Mit kreativen Kalendern baute er das Geschäft der Druckerei aus: der Kalender „Der springende Punkt“ verkaufte sich bald millionenfach – mit solchen lukrativen Produkten im Rücken konnte er auch den Ruf des Unternehmens in der Kunst festigen: durch intensive Zusammenarbeit mit weiteren internationalen Künstlern.

Als tatfreudiger und entschlossener Mensch, der er ist, greift er damals wie heute entschlossen zum Telefon, wenn er eine interessante Aufgabe für das Unternehmen erkennt.  „In New York war ich damals mal auf der Suche nach weiteren Künstlern für einen unserer jährlich erscheinenden Künstlerkalender und beschloss auch Andy Warhol anzurufen …nicht einfach zu erreichen, aber schließlich saß ich ihm gegenüber und wir diskutierten über eine Arbeit für den Kalender. Als Muster zeigte ich ihm den Vorjahreskalender mit Arbeiten von Max Bill, Anni Albers und von Robert Indiana. Andy Warhol schaute sie durch, hielt eines hoch, überlegte und dann: „No… I don`t think, I should do that! Your printing is much too superb for my work.“

Was das hieß? Warhol machte seine Drucke meist selbst und hatte immer kleine ´Fehl-Passungen` in seinen Druckwerken – und das wurde gerade zu einem Markenzeichen. Wir waren zu gut!“, amüsiert sich Domberger noch heute.

Heute befindet sich Domberger nach einem Umzug in einem imposanten dreistöckigen Fabrikgebäude in Filderstadt-Plattenhardt bei Stuttgart. Vieles, was im Laufe der Jahrzehnte erschaffen wurde, ist noch heute zu besichtigen. Die „Kunstsammlung Domberger“, im Laufe der Jahre entstanden, kaufte 2009 das Land Baden-Württemberg. Sie enthält Originale, Druckvorlagen, Andrucke, Korrekturen, bis hin zu den fertigen Serigraphien und zeigt nicht nur die Kreativität der vielen Künstler und Künstlerinnen, sondern auch die Experimentierfreude der Dombergers.

Eine weitere Ausstellung der Werke ist geplant. Weitere Infos, viele Einzelheiten zu den Künstlern und ihrer „Dritten Hand“ unter

www.domberger.de.

Michael Domberger

Michael Domberger, 2018

mit Arbeiten von Sine Hansen und Tina Tahir.

Galerie Edition Domberger
Uhlbergstraße 36 – 40
70794 Filderstadt-Plattenhardt bei Stuttgart

www.domberger.de